Früher fuhr man über Arth-Goldau
I took the train to Lugano and contemplated about the new connections (which in the end did not work out at all, but that's another story). One of the thoughts was worth the title of a novel and I too to ChatGPT for some creative play. It came out not too bad (though it's a longer dialogue to get a text to quality).
Nach Lugano fuhr man früher mit der Bahn aus der Westschweiz über Bern, Luzern, Arth-Goldau. Heute schickt die SBB Reisende über Zürich. Die Neubaustrecke macht's möglich und tatsächlich entfällt ein Zugwechsel.
"Früher", dachte ich, "früher fuhr man über Arth-Goldau". Man fährt natürlich immernoch über Arth-Goldau, aber das Umsteigen ist nicht mehr nötig.
Eigentlich ein guter Titel für einen Roman, dachte ich weiter. Und öffnete ChatGPT.
Ambros saß am Fenster des Intercity nach Lugano.
Zürich war eben hinter ihm zusammengeschnappt wie eine Schiebetür – Glas, Stahl, ein letzter Blick auf Kräne und Lichter. Die Gleise legten sich unter den Zug, als zögen sie ihn in ein anderes Jahrzehnt. Früher fuhr man über Arth-Goldau, dachte er, und wusste nicht genau, warum der Satz ihm plötzlich einfiel.
Sein Vater hätte ihn gemocht, diesen Satz – fest, rund, wie aus einer Zeit, in der Sprache noch etwas wog. Und obwohl jener Vater die Jahre der offenen Hemden und Parolen erlebt hatte, gab es ein einziges Mal, da wurde seine Stimme hart. Bei Ambros’ Namen. Nach dem Ururgrossvater, hatte er gesagt, und die Mutter hatte sich gefügt, halb belustigt, halb ergeben. So kam Ambros zu einem Namen, der wie ein Fossil in einem modernen Alphabet lag.
Der Zug glitt durch das Mittelland.
Hinter Zug, hinter dem See, wurden die Hügel dunkler.
Ambros dachte an die alte Strecke, ans Umsteigen in Luzern, an den Regen auf den Perrons, das Warten, die Zeit, die man noch aushalten musste.
Heute war die Fahrt ein Strich: keine Übergänge, nur Geschwindigkeit.
Kurz vor Arth-Goldau verlangsamte sich der Zug. Die Durchsage kam zu ruhig:
„Sehr geehrte Fahrgäste, wegen eines Personenunfalls kommt es zu einer Verzögerung.“
Ein Rascheln, ein Aufblicken, dann Stille. Ambros legte die Stirn an die Scheibe.
Draußen lag Arth-Goldau in hellem Licht, Dächer, ein Turm, abgestellte Wagen.
Er dachte nicht an den Unfall selbst – das Wort Personenunfall war schon eine Art Schweigen –, sondern daran, wie sich die Zeit verschiebt, wenn sie einen Menschen verliert.
Nach einer Viertelstunde fuhr der Zug wieder an.
Durch Arth-Goldau, dann hinein in die Steigung, die Tunnels, die Wiesen mit den Holzzäunen.
Das Land klappte sich zusammen zu Fels.
Ambros sah die Schatten der Berge über den Waggons tanzen, und als der Zug in den Gotthard-Tunnel eintauchte, glaubte er kurz, das Licht zu hören.
Im Halbdunkel gegenüber saß sie.
Sie war eingestiegen, als sie schon fuhren – vielleicht in Zug, vielleicht in Arth-Goldau.
Ein dunkler Mantel, kurzes Haar, ein Rucksack, kaum größer als eine Handtasche.
Ambros bemerkte sie zuerst an der Art, wie sie still war: nicht abwesend, sondern konzentriert.
Er sah sie an, und als sie den Blick hob, blieb er hängen.
„Fahren Sie bis Lugano?“ fragte sie.
Ihre Stimme war klar, ohne Zögern.
„Ja. Und Sie?“
„Bis Bellinzona.“
Sie sah zum Fenster hinaus.
„Manchmal reicht das schon.“
Sie sprachen, während der Zug durch den Tunnel glitt – über Züge, Karten, das Wetter, das nicht entscheiden konnte, ob es Regen oder Schnee werden wollte. Ambros sagte, er heiße Ambros, und hörte, wie alt sein Name in der Dunkelheit klang.
Sie nickte. „Das ist ein Name mit Gedächtnis.“
Er lachte unsicher. „Manchmal zu viel davon.“
Dann fiel Stille zwischen sie, eine, die nicht unangenehm war.
Als der Zug aus dem Tunnel tauchte, blendete das Licht des Südens die Waggons.
Die Luft änderte sich; irgendwo roch es nach Stein, nach warmem Metall.
In Bellinzona blieb der Zug stehen. Sie erhob sich, den Rucksack leicht in der Hand.
„Hier muss ich raus.“
„Vielleicht sieht man sich,“ sagte Ambros, mehr als Frage denn als Hoffnung.
Sie lächelte kaum merklich. „Man sieht sich immer – nur selten zweimal.“
Sie trat hinaus in das helle Nachmittagslicht.
Ambros sah ihr nach, bis die Tür sich schloss und sie zwischen den Gleisen verschwand.
Der Zug ruckte an, langsam, dann schneller, als hätte er einen Teil seines Gewichts verloren.
Er lehnte die Stirn an das Glas, und für einen Moment meinte er, den Geruch von Regen zu spüren – obwohl draußen die Sonne stand.